Exerpokal ’25: Nordring gegen Blau Gelb – Zur Sensation hats nicht ganz gereicht.

 

Es soll ja vorkommen, dass man hin und wieder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Zum Beispiel, weil man kein Auto hat (ich gebe zu: Ich bin zum Autofahren zu doof) und man auch mit dem Fahrrad nur ganz kurze Strecken zurücklegen kann, weil man sich ein paar Tage zuvuvor mit dem Gefährt dermaßen auf die Fresse gelegt hat, dass Schulter- Hüft- und Knieschmerzen keine längere Tour zulassen.
Da steht man dann also auf dem Bahnsteig mit vielen anderen – und damit die Wartezeit nicht all zu dröge wird, kommen aus den Bahnhofslautsprechern lustige Ansagen.
Erst wird man über einen Notarzteinsatz informiert, der zur Folge hat, dass der „Zugverkehr unregelmäßig“ sei. Kurz darauf die Mitteilung, dass ein Ppolizeieinsatz stattgefunden habe – Ergebnis: „Zugverkehr unregelmäßig“: Ja, Himmelarschundzwirn!, heißt denn „unregelmäßig“ nicht, dass was angefahren kommt, nur eben nicht regelmäßig? Hiuer aber kam nix! Gar nix!
Doch ehe man sich in die tiefere Bedeutung des Terminus „unregelmäßig“ hineindenken konnte, erheiterte die Lautsprecherstimme die Wartegemeinschaft mit einer neuen Überraschung: Da man leider nicht in der Lage war, ein bestimmtes Stellwerk zu besetzen, muss nicht nur der Bahnbetrieb ausgedünnt, sondern ein ganzer Streckenabschnitt stillgelegt werden…
Mein Gott war ich froh, dass ich mich zuvor mit ausreichend Blutdrucksenkern eingedeckt hatte…

Zur Sache.

Als ich dann – erschöpft, aber glücklich – endlich den Teschsportplatz doch noch erreicht hatte, holte der Schiedsrichter seine Trillerpfeife aus der Hosentasche um mit einem schrillen Pfiff die Halbzeitpause anzukündigen. So hatte ich dann erst einmal hinreichend Zeit, ausgiebig die zwei(!) aufgestellten Anzeigetafeln zu studieren. Neben der elektrischen Leuchttafel (Eigentümer: Rotation Prenzlauer Berg) hatte die SG Nordring nämlich auch noch ihre eigene, handbetriebene Tafel aufgestellt. Beide zeigten übereinstimmend vier Treffer für den SV Blau Gelb Berlin und Null Tore für die SG Nordring.

Das ging so weit in Ordnung, denn während die Blaugelben in der Bezirksliga unterwegs sind, befindet sich Nordring drei Etage tiefer in der Kreisliga C.
Die Prenzlauer Berger Co-Veranstalter des Exerpokals waren auf Grund mangelnder Erfolgsaussichten schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr beim Pokalfight dabei. Das letzte mal – 2015 – traten sie auch nur noch mit ihrer Freuzeitmannschaft „Prenzlberger Teufel“ an, die kurz danach zur Rotation überwechselte…

 

Die zweite Haöbzeit 3:1 gewonnen

Die Mannschaft lief in Gedenken an ihren im April verstorbenen langjährigen Vorsitzenden (und vierzig Jahre lang dem Exerpokal verbundenen) Uwe Schmieglitz mit einem Trauerflor am Trikot auf und legte sich auch gleich sehr respektlos mit dem dreimal höherklassigen Gegner an. Kaum waren zwei Minuten der zweiten Halbzeit gespielt, erzielte Nordring tatsächlich seinen ersten Treffer (Schütze: Dumitru Croitor).
Blau Gelb hatte in der Folgezeit erstaunliche Schwierigkeiten, mit den kämpferisch starken Prenzlauer Bergern klarzukommen und so dauerte es fast zwanzig Minuten, bis Julius Heidenreich mit dem fünften Weißenseer Treffer den alten Abstand wiederherstellte.

Als Blau Gelb in der 77. Spielminute einen Mann auf Grund einer Roten Karte nur noch mit neun Feldspielern auf dem Platz vertreten war, wurde es für den Bezirksligisten noch einmal sichtbar enger. Khaled Hamad (86.) und Ion Gostiuc (89.) verkürzten auf 5:3, doch auch die vom Schiedrichter gewährten zehn Nachspielminuten reichten dann aber doch nicht, um eine kleine Sensation herbeizuführen.Aber immerhin: Die zweite Halbzeit gewann der Kreisliga-C-Vertreter mit 3:1…

Und oben, ganz oben auf einer Wolke im Fußballlerhimmel saß Uwe Schmieglitz, sah herunter auf den Teschsportplatz und brubbelte: „Naja, janz anständig, die Jungs. Aber diese dauernden Diskussionen… – können die beim Spielen nicht einfach mal die Klappe halten?“

Impressionen vom Spiel

 

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